Archiv der Kategorie: Uncategorized

Regenerative Landwirtschaft ~ die neue Projektwerkstatt @TU Berlin

Die Projektwerkstatt (6LP) „Regenerative Agriculture for Future “ startet im Sommersemester 2024 !

Mach mit bei der neuen studentischen Projektwerkstatt „Regenerative Agriculture for Future ~ Wissenstransfer zu Grundlagen, Theorie und Praxis“ an der an der Technischen Universität Berlin (6 Leistungspunkte) !

Für Studierende aller Studiengänge (Bachelor & Master), Semester und Universitäten/Hochschulen in Berlin und Brandenburg!
Die Landwirtschaft ist ein Hauptverursacher der Klimakrise, aber auch herausragender Teil
der Lösung. Bisher wird die regenerative Landwirtschaft in der universitären Lehre kaum behandelt, wobei es aber viele thematische Überschneidungen mit unterschiedlichen Fachgebieten und deren Forschung und Lehre gibt. Im Rahmen dieser Projektwerkstatt wollen wir daher die Lehre durch Erstellung von Online-Modulen zu verschiedenen Themen bereichern.
Außerdem möchten wir dazu beitragen, die regenerative, aufbauende Landwirtschaft in der Gesellschaft zu etablieren.

Einführungsveranstaltung in der ersten Vorlesungswoche:
Freitag, den 19.04.24, 14:00 – 16:00, MAR-Gebäude – Bitte per E-Mail-Formular anmelden….

Wöchentliche Treffen:
Freitags ab 13:00 oder 14:00 bis 16:00 + individuelle Gruppenarbeitszeit – Präsenz für wichtige Termine, sonst hybrid

>>🌻🌻🌻>> Link zum Mail-Formular .

Planetare Grenzen von Landwirtschaft und Ernährung

Rund 30% der globalen Treibhausgasemissionen stammen aus der Industriellen Landwirtschaft und unserem aktuellen Ernährungssystem.

Die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung sind global zudem für die Überschreitung von vier der insgesamt neun betrachteten planetare Belastungsgrenzen verantwortlich. Durch übermäßige Nährstoffeinträge in terrestrische und aquatische Ökosysteme kommt dabei dem Stickstoff- und Phosphorkreislauf die größte Bedeutung zu, gefolgt von einem übermäßigen Landnutzungswandel und Biodiversitätsverlust, der durch Landwirtschaft und Ernährung verursacht wird. Ernährung umfasst hierbei die Nahrungsmittelverarbeitung und den Handel sowie die Zubereitung von Nahrungsmitteln in Haushalten und Gastronomie. Ernährungsbedingte Umweltlasten sind für die Belastungsgrenzen der Süßwassernutzung, der Luftverschmutzung und der Ozonzerstörung in der Stratosphäre auf globaler Ebene nicht quantifiziert.

Planetare Grenzen von Landwirtschaft und Ernährung
Planetare Grenzen von Landwirtschaft und Ernährung

2019 stellten Forschende von PIK, SRC und Aalto-Universität die Planetary Health Diet vor, mit deren Vorgaben die Ernährung von bis zu 10 Milliarden Menschen möglich wäre, ohne planetare Grenzen zu reißen. Die nach Anbauregionen differenzierten Empfehlungen sehen durchschnittlich 2500 kcal als Tagesbedarf und beispielsweise die Reduzierung von Fleisch- und Zuckerkonsum zugunsten von Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen vor. [Link: Wikipedia]

Dabei gibt es Methoden und Techniken, um eine Landwirtschaft zu betreiben, die nicht nur klimaneutral funktioniert, sondern sogar mehr Treibhausgase bindet, als sie selbst frei setzt. Es geht also letztendlich um eine Landwirtschaft die weit höhere soziale und ökologische Standards umsetzt, als es die aktuellen Bio- Verbände vorschreiben.

Die Regenerative Landwirtschaft (RLW) wird bereits in unterschiedlichen Ausprägungen angewandt, wobei sie bisher nur eine Nischenerscheinung darstellt. Die Ernährungs-& Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) empfiehlt diese Form der Landwirtschaft, die die Menschheit nachhaltig ernähren & dabei die unersetzliche Ressource Boden auch für die Zukunft erhalten kann. Bei der RLW wird mit der Natur gearbeitet & nicht gegen sie, wodurch der Schutz & die Förderung der Biodiversität eine zentrale Rolle spielen.

Die Klimakrise weitet sich schneller aus, als von der Wissenschaft vorhergesagt und sie ist inzwischen auch bei uns deutlich spürbar. Wir müssen umgehend Maßnahmen ergreifen, um den Klimawandel abzubremsen und uns an die un-vermeidbaren Veränderungen anzupassen. Es gibt zahlreiche weitere Gründe schnellstmöglich auf eine grundsätzlich andere Art der Landwirtschaft umzu-schwenken, z.B.: Ernährungssicherheit & gesundes Essen für eine wachsende Weltbevölkerung, Saatgutvielfalt & Erhaltung alter Sorten, Beendigung und Umkehrung von Regenwaldabholzung, Nutzung nachwachsender statt fossiler Rohstoffe (Bioökonomie), Stärkung regionaler Wertschöpfung und Unabhängig-keit von Agrarsubventionen, Vermeidung von Gentechnik & giftigen Chemikalien, Wasserverschwendung, Dürren oder Bodenerosion.


Was ist eine Projektwerkstatt?!
Eine Projektwerkstatt ist ein offizielles Lehr-, Forschungs- und Entwicklungsmodul, das von einer Studierendengruppe selbstständig organisiert wird. Das Projekt ist an einem TU Fachgebiet angesiedelt und wird von einer/einem Professor*in betreut. Die TU Berlin finanziert hierzu zwei Tutorenstellen über 4 Semester und es können pro Semester bis zu 30 Studierende teilnehmen und dabei Leistungspunkte (und eine Note) für ihr Studium einbringen. Mitmachen können Studierende aller Berliner & Brandenburger Hochschulen, Studiengänge und Semester.


Zielstellung
Damit aktuelle und zukünftige Landwirt*innen sich das notwendige RLW Know How möglichst barrierefrei aneignen können, sind frei verfügbare Wissensressourcen erforderlich. Denn es geht um einen immensen Wissenstransfer – zum einen um Erfahrungswissen aus der RLW-Praxis, sowie um bereits dokumentiertes Wissen, welches ebenfalls für verschiedene Zielgruppen weiter aufbereitet werden muss. Dazu zählen Studierende der Agrarwissenschaften, die noch kaum landwirtschaftliche Praxiserfahrung haben, als auch Land-wirt*innen in der Berufsschulausbildung, oder solche, die bereits über Jahre & Jahrzehnte eine Landwirtschaft praktizieren, die vor allem von globalen Konzerninteressen geprägt wurde. Das Material soll daher zuerst einen leichten und praxisnahen Einstieg ermöglichen und in den nächsten Aufbereitungsschritten auch wissenschaftliche Vertiefungsmöglichkeiten bieten.


Ansatz der Projektwerkstatt
Im Rahmen der Projektwerkstatt sollen daher schrittweise mindestens 20 Lerneinheiten entwickelt werden, die einen Überblick und einen grundlegenden Einstieg in das RLW-Themenspektrum bieten und die unter einer BY-NC-SA Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden. Dieses Lehr- und Lernmaterial soll dann an Hochschulen, Universitäten und Berufsschulen im Rahmen von Lehrveranstaltungen genutzt und weiterentwickelt werden können. Es kann und soll aber ebenfalls als Wissensressource für die Umstellung von Industriellen Landwirtschaftsbetrieben hin zu Regenerativer Landwirtschaft dienen. Daher werden wir sowohl interdisziplinär als auch transdisziplinär arbeiten, also in Kooperation bzw. im intensiven Austausch mit zahlreichen Akteuren aus Landwirtschaft, Forschung und Bildung. Wissenschaftliches und kollaboratives Arbeiten, eine sehr gute Dokumentation des Fortschritts in jedem Semester, sowie eine ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit bzw. Nutzung von Social Media, bilden dabei die Basis für den Erfolg unserer Projektwerkstatt.


Kooperationen
Zur Erstellung des Materials, stehen wir im regen Austausch mit RLW-Betrieben in Berlin, Brandenburg & darüber hinaus, wobei es mit einzelnen Betrieben eine besonders enge Kooperation gibt, um auch selbst Praxisversuche vor Ort unter realistischen Rahmen-bedienungen umsetzen und dokumentieren zu können. Dabei kann es z.B. um die Anlegung von Mischkulturen, die Kompostierung oder den Humusaufbau gehen. Zudem arbeiten wir mit weiteren Akteuren der TU Berlin, anderer Hochschulen, Berufsschulen, Institutionen & aus der Umwelt- & Klimabewegung zusammen, auch um gemein-sam RLW-Material für die verschiedenen Zielgruppen zu entwickeln. Parallel werden deutschsprachige & internationale wissenschaftliche Materialien und weitere Quellen recherchiert und einbezogen.

Nachhaltigkeit
Die Landwirtschaft bzw. Agrikultur bildete das Fundament aller bisherigen Zivilisationen. Unsere aktuelle moderne Gesellschaft hat sich in den letzten 250 Jahren, aufgrund der Industriellen Revolution, von der Natur weg entwickelt – wir sind aber Teil der Biosphäre der Erde und von deren Ökosystemen abhängig. Die Rückbesinnung auf eine naturnahe Agrikultur ist daher eine notwendige Bedingungen für die soziale, ökologische und ökonomische Transformation, die für die Einhaltung der planetaren Belastungsgrenzen und somit für das Überleben der Menschheit unabdingbar ist. Die RLW kann in hohem Maße zu Erholung und Genesung unserer biologischen Umwelt bzw. Mitwelt beitragen und wirkt positiv in weitere gesellschaftliche Bereiche hinein. Neuartige regionale Land-Wirtschaftskreisläufe & solidarische Vermarktungskonzepte bedeuten die Schaffung von zahlreichen sinnstiftenden Arbeitsplätzen im Land- und Gartenbau und in der Weiterverarbeitung der Erzeugnisse. Und nicht zuletzt hat die RLW und das aus ihr resultierende nachhaltige Ernährungs-system einen förderlichen Effekt auf die allgemeine Gesundheit.

Verstetigung
Während der Projektwerkstatt-Laufzeit soll durch den Austausch  & die Kooperation mit Partner*innen eine engagierte Netzwerk-Community entstehen, welche dann weitere Folgeprojekte initiiert. Die von uns erstellten RLW-Materialien bleiben weiterhin kostenfrei verfügbar, können beliebig genutzt und weiterentwickelt werden.